Eiweiß
Eiweißstoffe sind der eigentliche Baustoff des Organismus. Sie bilden
mengenmäßig den größten Anteil aller organischer Substanzen. Jede
Zelle enthält Eiweiß.
Bildung
der Eiweißstoffe
Nur Pflanzen
und einige Mikroorganismen können Eiweiß aufbauen:
Eiweiß besteht aus Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H), Sauerstoff
(O) und zusätzlich aus Stickstoff (N). ((Stickstoffquellen sind
die Ausscheidungsprodukte von Menschen und Tieren sowie verottete
Pflanzenteile)) Manchmal enthält es auch Schwefel und Phosphor.
Aus diesen Elementen werden die Aminosäuren, die
Bausteine der Eiweißstoffe gebildet. Es gibt 20 verschiedene Aminosäuren,
davon sind 8 essentiell (lebenswichtig). Diese müssen aufgenommen
werden, da sie der Körper nicht selbst aufbauen kann.
Die Aminosäuren schließen sich in Ketten zusammen (Peptide).
Sind an der Kettenbildung mehr als 100 Aminosäuren beteiligt, spricht
man von Eiweißstoffen (hundert-bis tausendfache Aminosäurenketten).
Arten
der Eiweißstoffe
Es gibt einfache
Eiweißstoffe-die Proteine, und zusammengesetzte
Eiweißstoffe-die Proteide.
Sind an einer Kettenbildung mehr als 100 Aminosäuren beteiligt,
ergeben sich einfache Eiweißstoffe-die Proteine.
Sind am Aufbau von Eiweißstoffen noch andere Stoffe, z.b.
Kohlenhydrathe, Fette, Mineralstoffe, Farbstoffe, beteiligt, so
spricht man von zusammengesetzte Eiweißstoffen-den Proteiden.
Jede Pflanzenart und jede Tierart besitzt spezifische arteigene
Eiweißstoffe. Dies ist möglich, da die 20 Aminosäuren immer wieder
in einer anderen Reihenfologe kombiniert werden können. Der Mensch
nimmt mit der Nahrung artfremdes Eiweiß zu sich, zerlegt dieses
bei der Verdauung in Aminosäuren und baut daraus arteigenes Eiweiß
auf.
Einfache
Eiweißstoffe (Proteine)
|
Proteinart
|
Eigenschaften
|
|
Albumine
In Fleisch, Fisch,
Eilkar, Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte.
|
Sie sind wasserlöslich: d.
h., Albumine gehen beim Kochen ins Wasser über. Blutfarbstoff
löst sich. Wasser färbt sich rötlich. Fleisch entfärbt
sich und wird grau.
Sie gerinnen bei 70°C: Kocht man Knochen, Fleisch,
Kartoffeln, wird das Eiweißfest und steigt mit den eingelagerten
Trübstoffen an die Oberfläche. Es entsteht ein grauweißer
Schaum. Durch Abnehmen oder Abseihen des Eiweißes erhält
man klare Suppen, klare Sulz, Aspik.
Sie binden Flüssigkeit: bei langsamem Erwärmen,
z. B. beim Legieren von Suppen und Saucen, bei der Herstellung
von Farcen
|
|
Globuline
In Fleisch, Fisch, Milch, Hülsenfrüchte, Erdäpfeln.
|
Sie sind nicht wasserlöslich,
sondern löslich in salzigen Flüssigkeiten. Bei der Herstellung
von Farcen werden Globuline beim Cuttern aus den Fleischfasern
durch Zugabe von Salz gelöst.
Sie binden Flüssigkeit: Bei obigem Vorgang wird
gleichzeitig Wasser in Form von Eis gebunden.
Sie gerinnen bei 70°C: Beim anschließenden Erhitzen
gerinnen die Eiweißstoffe, und die Pastete wird schnittfest.
|
|
Klebereiweiß (Gluten)
Im Weizen
|
Es bindet Wasser: Mehl nimmt bei der Teigbereitung
Wasser auf.
Es quillt auf: Bei der Teigbereitung verbindet
sich Klebereiweiß mit Wasser zu einem zähen Teig, dem
Kleber.
Es gerinnt bei 70°C: Bildung des Teiggerüstes und
Lockerung durch eingebackene Luft bei Brot, Gebäck usw.
|
|
Kollagene (Leimeiweiß)
In Knochen, Knorpeln, Sehnen, Schwarten.
|
Sie sind wasserlöslich: werden durch langes Kochen
ausgelaugt.
Sie sind leimbildend: bilden beim Abkühlen eine
gallertartige Substanz, z. B. Gelatine, Aspik, Salz.
|
|
Kertine
In Haaren, Nägeln, Federn.
|
Unlöslich und unverdaulich.
|
|
Fibrin
Eiweißstoff im Blutserum
|
Es dient der Blutgerinnung außerhalb des Körpers.
|
|
Myosin, Actin
Eiweißstoff der Muskulatur
|
Es bewirkt die Muskelbewegung.
|
Zusammengesetzte
Eiweißstoffe (Proteide)
|
Proteidart
|
Eigenschaften
|
|
Kasein
In Milch und Milchprodukten
|
Es gerinnt durch Säuren: z. B. Säure im Magen, Milchsäure
bei Sauermilch, Sauermilchkäse, Topfen.
Es gerinnt durch Lab: Milcheiweiß gerinnt ungesäuert
durch Lab, ein Enzym aus dem Kälbermagen, z.B. Labmilchkäse.
|
|
Schleimstoffeiweiß
Im Speichel, Magen, in den Schleimhäuten.
|
Schmier- und Gleitmittel: im Verdauungstrakt, in Sehnen
und Gelenken.
|
|
Farbstoffeiweiß
|
|
|
Hämoglobin
(roter Blutfarbstoff)
|
Für den Sauerstofftransport.
Wird durch Hitze grau.
|
|
Myoglobin
(roter Muskelfarbstoff)
|
Zur Sauerstoffversorgung.
Wird durch Hitze grau.
|
|
Chlorophyll
(grüner Pflanzenfarbstoff)
|
|
|
Nukleoproteide
Im Zellkern
|
Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Zellteilung und
Vererbung.
|
Eigenschaften
der Eiweißstoffe
Gerinnungsvermögen:
Sie gehen von einer löslichen in eine unlösliche Form über =
Koagulierung. Dabei wird das Eiweiß fest (es denaturiert). Geronnene
Eiweißstoffe sind leichter verdaulich. Gerinnt das körpereigene
Eiweiß (bei 4243°C), bedeutet dies einen lebensbedrohenden
Zustand.
Das Gerinnen von Eiweiß in Lebensmitteln ist auf dreierlei Arten
möglich:
Durch Hitze (bei 70 °C): z. B. Festwerden des Eiklars, Herstellung
von Eierstich, Schaum beim Kochen von Fleisch, Bildung von Milchhaut,
Gerinnung des Klebers bei der Teigherstellung.
Durch Zusatz von Säuren: Bakterien bilden aus Milchzucker
die Milchsäure, und die Milch gerinnt, z. B. bei der Topfen- und
Käseherstellung, das Ausflocken der Milch durch Zugabe von Zitronensäure.
Durch Labenzym: Der Wirkstoff des Kälbermagens bewirkt das
ungesäuerte Gerinnen der Milch, z. B. bei der Käseherstellung.
Wasserbindungsvermögen
Beim Gerinnungsvorgang durch Erhitzen kann das Eiweiß Wasser binden
z. B. beim Kochen des Eies, Legieren von Suppen und
Saucen, bei der Herstellung von Würsten, bei der Teigbereitung.
Ist der Gerinnungsprozeß abgeschlossen, kann das geronnene Eiweiß
kein Wasser mehr aufnehmen.
Eiweißstoffe binden und transportieren im Blut das Wasser mit den
gelösten Nähr- und Wirkstoffen.
Bräunungsvermögen
Bei Erhitzung über 100 °C gerinnen und bräunen die Eiweißstoffe
an den Randschichten. Das Herausfließen des Fleischsaftes wird verhindert.
Beim Braten bilden sich Aroma- und Röststoffe. Milch brennt an.
Wasserlösliche Eiweißstoffe (Albumine) können aus den Nahrungsmitteln
ausgelaugt werden.
Rasches
Verderben
Eiweißreiche Nahrungsmittel verderben besonders leicht (Milch, Eier,
Fisch). Bakterien und Enzyme verändern die Eiweißstoffe bis zur
Zersetzung. Bei Fleisch und Wurst zeigt sich dies durch eine schmierige
Oberfläche. Verdorbene eiweißhaltige Nahrungsmittel sind gesundheitsschädlich.
Bedeutung
für den Menschen und Bedarfsdeckung
Baustoff
Eiweiß ist Bestandteil jeder Körperzelle und kann weder durch Kohlenhydrate
noch durch Fette ersetzt werden. Die Zellsubstanz wird im lebenden
Organismus ununterbrochen erneuert. Dazu braucht der Mensch ständig
neue Eiweißstoffe. Auch alte Enzyme und verschiedene Hormone sind
aus Eiweiß aufgebaut. Das Blutserum besteht aus Eiweißstoffen.
In der Wachstumsphase des Menschen ist der Bedarf an Eiweißwesentlich
höher.
Biologische Wertigkeit
Der Gehalt an essentiellen Aminosäuren bestimmt den Wert eines Nahrungseiweißes.
Acht der 20 verschiedenen Aminosäuren können im menschlichen Körper
nicht aufgebaut werden, sie müssen täglich mit der Nahrung zugeführt
werden. Je mehr körpereigenes Eiweiß aus einem Nahrungseiweiß aufgebaut
werden kann, desto höher ist die biologische Wertigkeit.
Tierisches Eiweiß ist im Aufbau (essentielle Aminosäuren)
dem menschlichen Körpereiweiß ähnlich. Die biologische Wertigkeit
ist daher höher.
Pflanzliches Eiweiß enthält weniger wertvolle Aminosäuren
und ist in der Wertigkeit niedriger (außer Sojabohnen und Erdäpfeln),
es ist aber wesentlich preiswerter und ausgewogener in der Zusammensetzung
der Nähr-und Wirkstoffe.
Die biologische Wertigkeit gibt an, wieviel Gramm
Körpereiweiß aus 100 g Nahrungseiweiß aufgebaut werden kann.
|
Eier
|
94%
|
|
Milch
|
86%
|
|
Fisch
|
80%
|
|
Fleisch
|
76%
|
|
Sojabohnen
|
72%
|
|
Kartoffeln
|
67%
|
|
Weizenmehl
|
35%
|
|
Hülsenfrüchte
|
30%
|
Eine
Aminosäure ist im Verhältnis zum Vorkommen im Körpereiweiß zu 35%
(Weizeneiweiß) bzw. zu 86% (Milcheiweiß) enthalten. Dies bedeutet,
daß auch die restlichen essentiellen Aminosäuren nur bis zu diesem
Mengenverhältnis ausgenutzt werden können.
Ergänzungswert
Die niedrige biologische Wertigkeit bzw. der niedrige Eiweißgehalt
mancher Nahrungsmittel kann durch Kombination verschiedener Nahrungsmittel
in einer Mahlzeit ausgeglichen werden.
Guter Ergänzungswert
Kartoffeln mit Milchprodukten, Fleisch, Fisch oder Ei
Getreideprodukte mit Milch, Fleisch, Fisch oder Ei
Hülsenfrüchte mit Milch, Fleisch, Fisch, Ei oder Getreide
Ohne Ergänzungswert
Getreideprodukte mit Kartoffeln, Gemüse
Hülsenfrüchte mit Gemüse
Kartoffeln mit Hülsenfrüchten
Eine gemischte Kost ergänzt die einzelnen Aminosäuren und sichert
eine bessere Ausnutzung der Eiweißstoffe.
Energielieferant
Eiweiß kann der Körper nicht speichern. Überschüssige Aminosäuren werden wie Kohlenhydrate und
Fette zur Energiegewinnung abgebaut. Beim Abbau entsteht Harnstoff,
der über die Niere ausgeschieden wird.
Bedarf
Der Eiweißbedarf ist abhängig von der Eiweißmenge, die zur Erneuerung; und zum Aufbau von körpereigenen
Eiweißstoffen benötigt wird.
Durchschnittlicher Tagesbedarf: 0,7 bis 1,0 g pro kg Körpergewicht
Personen, die Eiweiß zum zusätzlichen Aufbau von Körpereiweiß benötigen,
haben einen höheren Eiweißbedarf, z. B. Säuglinge, Kinder, Jugendliche,
Schwangere, stillende Mütter.
Höchstens 15°/o der täglichen Gesamtenergiemenge sollen in Form von
Eiweiß aufgenommen werden. Ein Drittel dieses Eiweißbedarfes sollte
durch tierisches Eiweiß und zwei Drittel sollten durch pflanzliches
Eiweiß gedeckt werden.
Fehlen in der Nahrung Eiweißstoffe, so kommt es zu Mangelerscheinungen,
z. B. Abnahme der Leistungsfähigkeit, erhöhter Infektionsanfälligkeit.
In den Entwicklungsländern trifft der Eiweißmangel mit all
seinen Folgen vor allem die Kinder.
|